Pfarrkirche Appenzell

Aktuell:

 

Neuer Kunst- und Kulturführer der Pfarrkirche St. Mauritius Appenzell

 

An der Pfarreiversammlung vom 24. September 2010 wurde der neue Kunst- und Kulturführer durch seinen Verfasser, Professor Dr. Johannes Huber aus St. Gallen, in einem spannenden und unterhaltsamen Kurzvortrag vorgestellt. Die Broschüre, welche von der Katholischen Kirchenverwaltung und vom Katholischen Pfarramt in Auftrag gegeben und beim Verlag "der Appenzeller Volksfreund" gedruckt worden ist, kann ab sofort beim Pfarramt Appenzell oder in der Sakristei der Pfarrkirche zum Preis von Fr. 10.- pro Exemplar bezogen werden.

 

Aus dem Inhalt:

 

Besiedlung, Landesausbau und Kirchengründung

 

…"Vermutlich erst im 11. Jahrhundert setzte auch im inneren Land eine starke Rodungstätigkeit ein (Innerrhoden). Dabei entwickelte sich im Talkessel der Sitter, wo sich heute das Dorf Appenzell befindet, eine Siedlung mit einem äbtischen Wirtschaftshof, genannt ‹Abbacella› (Wirtschaftshof [-zelle] des Abtes). Die Örtlichkeit war nichts anderes als die regionale Sammelstelle für die Naturalienabgaben, die der Grundherr – der Abt – im inneren Landesteil erhob…"

 

 

 
"Petrusplatte, um 1300. Möglicherweise stammt die Platte von einem Reliquiar oder sie diente einst als metallene Zier auf dem Deckel eines liturgischen Buchs."

Bauliche Entwicklungsphasen des Kirchenbezirks

 

…"Wegen ihres weiten Einzugsgebiets gehörte die Kirche von Appenzell zu den reichsten in der Ostschweiz. Wohl auch aus diesem Grund wurde sie 1248 durch päpstlichen Spruch dem in finanzielle Not geratenen Galluskloster inkorporiert (eingegliedert). Die Abtei St. Gallen selbst dürfte in Rom um diesen Schritt nachgesucht haben. Mit der Inkorporation fielen sämtliche Einkünfte des Appenzeller Gotteshauses an die Abtei. Diese hatte fortan für die bauliche Instandhaltung der Gebäude und weiterhin auch für die Bestellung des Geistlichen zu sorgen.

Im Jahr 1353 ist das Patrozinium St. Mauritius belegt; es ist anzunehmen, dass es das ursprüngliche Patrozinium der Kirche ­Appenzell war und dessen Vermittlung durch die Abtei St. Gallen selbst erfolgt ist. Mauritius, von dem im Jahr 611/612 der hl. Gallus Reliquien (Überreste) ins Hochtal der Steinach mitgebracht hatte, nahm im Kloster St. Gallen unter allen Heiligen einen der Ehrenplätze ein. Mag sein, dass ein Partikel gerade dieser Überreste jenes Kreuz in der Appenzeller Kirche auszeichnete, das in einem Inventareintrag der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erwähnt wird (laut Inventareintrag ein Kreuz mit Reliquien des hl. Mauritius)"…

 
"Innenraum, Blick herab von der Empore zur verdichteten Altarzone mit eindrücklicher Retabelkulisse. Die übrige Raumausstattung fügt sich ergänzend ein."

Beschreibung der Kirche und ihrer Ausstattung (Rundgang)

 

…"Der Saal wird überspannt von einem abgeflachten Tonnengewölbe, in das über den Fenstern Stichkappen einschneiden. Zwischen den Fensterbahnen stehen Pilaster, die von Gebälkstücken bekrönt sind. Im Bereich der Fensterzonen (Rosetten, Blütenbänder) und der Stichkappen (von Pflanzen umwundene Stabbündel) haben sich spärliche Überreste der moosbruggersche Stuckaturen erhalten; das übrige Stuckwerk, darunter Kartuschen und Girlanden, ist jünger (1889/90 – 1892) und eine künstlerisch solide Arbeit von Angelo Greppi (1850 – 1897), St. Gallen. Aus der gleichen stilistischen Stufe stammt die Verglasung, ein Werk der Mayer’schen Königlichen Hof-Kunstanstalt, München: Die 14 Fenster zeigen ebenso viele Stationen des Kreuzwegs. Das Gestühl im Schiff, ausgestattet mit ausziehbaren Sitzelementen, entstand 1948 nach einem Entwurf von Kunstmaler Johannes Hugentobler"...

 
"Heiligenhimmel mit dicht bevölkerten Wolkenbändern. Monumentalmalerei im spätnazarenischen Stil, 1891 von Kunstmaler Franz Vettiger."

…"Das Bildoval der Mitte (16 x 12 Meter), das in das Kircheninnere einen Anflug von Zentralräumlichkeit trägt, stellt im Schiff unwidersprochen den Höhepunkt des gemalten Programms dar: In einer geschickten Komposition vereint Kunstmaler Vettiger die Bildmotive Allerheiligen, Mariä Krönung und die Verherrlichung des Kirchenpatrons Mauritius. Der St. Galler Theologe, Kunsthistoriker und Stiftsbibliothekar Adolf Fäh (1858 – 1932) zählte 1919 163 Einzelgestalten, gruppiert nach den acht Seligpreisungen der Bergpredigt (Perikope des Allerheiligenfestes). Vettigers Werke in der Pfarrkirche Appenzell gehören der spätnazarenischen Deschwandenschule (Melchior Paul von Deschwanden, 1811 – 1881) an und gelten gar als eines der Hauptwerke dieser Stilrichtung. Im Figurenreichtum des Hauptspiegels wirken barocke Vorbilder nach. Man ist spontan versucht, das Hauptbild der Pfarrkirche Appenzell mit dem vielfigurigen Paradies in der ehemaligen Stiftskirche St. Gallen (heute Kathedrale) zu vergleichen, das nach dem gleichen Rahmenprogramm (Seligpreisungen) aufgebaut ist, aber nur rund 60 Figuren zählt"…

 

 

Weitere Aspekte der Ausstattung

…"Die abgewanderten Flügel des Hochaltars (heute im Landesmuseum Zürich) sind andernorts in dieser Schrift besprochen worden (vgl. dazu S. 15). Weniger weit gelangt sind verschiedene geschnitzte Teile des Altars, von denen sich gleich mehrere im Museum Appenzell befinden und einer in Privatbesitz. Im genannten Museum finden sich weitere qualitätvolle Arbeiten, darunter eine spätgotische Darstellung der hl. Sippe (um 1520). Auf die spätgotische Ölberggruppe wurde weiter oben bereits hingewiesen (vgl. dazu S. 17, 26). Bildwerke des Manierismus und der Barockzeit können zum Teil Bartholomäus Cades zugeschrieben werden (um 1622). Mehrere von ihnen befinden sich noch im Besitz der Kirchgemeinde, andere Bildwerke gehören inzwischen zum Sammlungsbestand des Museums Appenzell"…

 

Gesamtwürdigung

…"Der festliche Innenraum der Mauritius-Kirche strahlt weit über Appenzell hinaus in die Ostschweiz: Die Qualität der gotischen Architekturteile, das Retabel des Hochaltars, die Deckengemälde im Schiff und die übrige Ausstattung des späten 19. Jahrhunderts (Altarkulisse) heben die Pfarrkirche St. Mauritius weit über den (reichen) Ostschweizer Durchschnitt hinaus. Verbunden mit der Ausstattung der Kirche ist eine breite Auswahl prominenter einheimischer und hinzugezogener Künstler und Handwerker aus den letzten 500 Jahren"…

 

 

Titel:                            "Pfarrkirche St. Mauritius Appenzell", 60 Seiten,

                                      viele Farbfotos

Herausgeber:               Katholischer Kirchenverwaltungsrat und

                                      Katholisches Pfarramt Appenzell

Verfasser:                     Johannes Huber, St. Gallen, johannes.huber@dont-want-spam.gmx.ch
Gesamtherstellung:      Druckerei Appenzeller Volksfreund, Appenzell,

                                      www.dav.ch
ISBN:                            978-3-9523714-2-8